Beiträge von 2017

"Wer rechtschaffen handelt, sei es Mann oder Frau, und dabei gläubig ist, den werden Wir ganz gewiß ein gutes Leben leben lassen. Und Wir werden ihnen ganz gewiß mit ihrem Lohn das Beste von dem vergelten, was sie taten." (Die Biene:97).

{مَنْ عَمِلَ صَالِحًا مِّن ذَكَرٍ أَوْ أُنثَىٰ وَهُوَ مُؤْمِنٌ فَلَنُحْيِيَنَّهُ حَيَاةً طَيِّبَةً ۖ وَلَنَجْزِيَنَّهُمْ أَجْرَهُم بِأَحْسَنِ مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ} [النحل : 97]

 

 

18.November 2017

Was man bei der Berichterstattung um die Behauptung dreier Frauen, von Tariq Ramadan missbraucht worden zu sein merkt, ist eine niedere Eigenschaft, die sowohl bei Muslimen wie auch Nicht-Muslimen vorkommt. Im Islam gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung. Solange kein eindeutiger Beweis für die Schuld eines Menschen spricht, wird er für unschuldig gehalten. Dabei wird dies nicht einfach nur gemeint, gleichzeitig aber mit eventueller Schuld geliebäugelt; diese Unschuld wirdhart verteidigt und Gerüchte bereits im Keim erstickt: "Hätten doch, als ihr es hörtet, die gläubigen Männer und Frauen eine gute Meinung von sich selbst gehabt und gesagt: "Das ist deutlich eine ungeheuerliche Lüge! Hätten sie doch darüber vier Zeugen beigebracht! Da sie aber die Zeugen nicht beigebracht haben, so sind diese bei Allah die Lügner." (an-Nūr:12-13). Allah fordert von den Gläubigen, das Beste voneinander zu denken. Ob sie nun als Einzelpersonen, Organisationen oder als Medien handeln. Dies verdeutlicht Allah so stark, dass Er das gute Denken als "über sich selbst" beschreibt. Wer also gut oder schlecht denkt, tut dies letztlich nur über sich selbst! Hinzu kommt, dass so etwas nicht (einfach so) verbreitet werden darf. Was ich bei Medien grundsätzlich immer "widerwärtig" finde, ist dass selbst wenn jemand letztlich für unschuldig erklärt wird, immer dieses "Geschmäkle" des Vorwurfs bleibt ("Da war doch bestimmt irgendwas dran"). 

Mir geht es hier nicht einmal um die Verteidigung eines großen muslimischen Intellektuellen, sondern das charakterliche System, das hinter dieser Verleumdung seitens einiger von uns wie auch der Medien steckt. 

Ich kann für einen Mann keinen ungeheuerlicheren und schlimmeren Vorwurf als solch einen vorstellen. Es gibt genug Beispiele von Micheal Jackson und anderen, die zeigten, dass eine bewusste und gar bezahlte Verleumdung nie auszuschließen ist. Wenn einige seiner ideellen Gegner dies tatsächlich als Mittel genutzt haben sollten, so haben sie sich selbst die größte intellektuelle Niederlage eingestanden. Vielleicht werden dies aber auch nie wissen. 

Für den Alltag lernen wir davon, dass wir gerade in Sachen der Intimität niemals der Aussage einer einzelnen Person glauben schenken dürfen. Sie wird so lange der Lüge bezichtigt, bis sie Beweise bringt, die in keiner Weise abzulehnen sind. Wie oft es doch passiert, dass uns jemand etwas Intimes über eine Person zuflüstert und wir dieser Person glauben schenken. Nein, wir haben das Beste zu denken und Gerüchte im Keim zu ersticken. Das kommt nicht nur anderen, sondern erst einmal und selbst zu gute. 

 

 

24.September 2017

Unsere vielleicht größte Krise ist mangelnder Respekt. Mangelnder Respekt gegenüber den Gelehrten. Mangelnder Respekt gegenüber Mitmenschen. Mangelnder Respekt gegenüber anderen Meinungen. Mangelnder Respekt gegenüber dem Verstand von anderen Menschen. Im Gewand des Islam werden übelst nicht-islamische Werte ausgelebt, wie Hochmut, Wut, Selbstsicherheit. Im Kleid des Wissens wird Unwissenheit verbreitet. Eine "Nasiha" kommt auf eine Weise, wie sie der wahren Nasiha nicht fremder sein könnte. Leute die ein halbes Buch und fünf Videos auf YouTube geschaut haben fragen nach deinem Dalīl. Leute die Gebote glauben zu lernen, bevor sie Adab lernen, sind gefährlich. Sehr laut, meistens hohl. Meistens auch jung. Liebe Leute, die alles für Haram erklären: findet ihr es nicht auffällig dass es zumeist junge Leute sind, die so etwas vertreten ? Kommt da nicht ein wenig Zweifel auf, ob die reine Absicht nicht vielleicht doch mit jugendhaftem Eifer vermischt ist?

Ich bin gerade in einem Hadith-Seminar eines weltweit bekannten Gelehrten Alhamdulillah. Zu den Dingen die wir heute gelernt haben gehört :

Wer das Wissen von einem Sheykh mündlich erhält, ist der Abschweifung fern

Und wer das Wissen von Büchern entnimmt, so ist sein Wissen bei Gelehrten wie Nichts 

(Im Arabischen reimt sich das)

Die Szene zeichnet sich auch dadurch aus, dass da kaum jemand ist der wirklich studiert hat. Autodidakten in Islamischen Wissenschaften haben nie jemandem geholfen. Eher aber geschadet. 

Trotzdem bin ich zuversichtlich. Denn kein Land, in dem die Muslime die Diskussion über das Urteil der Wahlen ausgeschlachtet hat, ist am Ende nicht zum Ergebnis von mindestens erlaubt gekommen. Auch wenn es manchmal 10-20 Jahre gedauert hat, aber am Ende gewinnt diese Meinung. Auch wir Muslime in Deutschland werden dahin kommen, in šā Allāh. Bis dahin können wir ja an Empfehlungen für die Parteien arbeiten, damit diese dann auch vorliegen 

 

 

23.September 2017

An diejenigen die behaupten, die Teilnahme an demokratischen Wahlen sei im Islam verboten : hier eine Liste von bekannten saudi-arabischen Gelehrten, welche mindestens sagen, dass sie erlaubt ist:

Sheykh Salih Al-Munajjid: erlaubt.

Sheykh Abdulaziz Bin Baz: erlaubt.

Sheykh Khaled Al-Muslih: erlaubt. 

Sheykh Al-Uthaimin: Pflicht.

Die meisten, die von Verbot sprechen kennen nur ein paar Verse oder Ahadith, die sie selbst nicht verstehen. Den Dalīl zu kennen ist eine, ihn zu verstehen und Fiqh zu haben eine andere Sache.

Ich rufe jeden Wahlberechtigten dazu auf, wählen zu gehen. Die Liste der Gelehrten die sagen, dass es Pflicht ist, ist sehr lang. Nach intensiver Auseinandersetzung damit habe ich dieselbe Meinung. Es geht um soviel.

 

 

5.September 2017

Lehnt der Islam das Diesseits (Dunya) ab?

Ibn Hibbān und Ahmad überliefern, dass der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm sagte: "Vier Dinge gehören zur Glückseligkeit: die rechtschaffene Ehefrau, das weiträumige Haus, der rechtschaffene Nachbar und das angenehme Reittier (heute Auto). Und vier Dinge gehören zum Elend: der schlechte Nachbar, die schlechte Ehefrau, das enge Haus und das schlechte Reittier."

Das zeigt uns, dass der Islam das Menschliche im Menschen nicht nur akzeptiert, sondern bejaht. Es gibt Muslime, die denken es sei gut, wenn sie in einem möglichst kleinen Haus wohnen oder in einem möglichst schlechten Auto fahren. Das Gegenteil aber befürwortet er, weil dies zur Glückseligkeit führt. Wer sich etwas Teures leisten kann, der soll dies ruhig besitzen. Denn Verschwendung hängt immer vom Zustand der Person ab: Wenn ein reicher Mensch ein großes Haus und ein tolles Auto fährt, ist dies keine Verschwendung. Es ist es nur dann, wenn er über sein Budget hinaus ausgibt.

 

 

19.August 2017

Ich bin am Flughafen in einem Aufzug, neben mir eine Dame. Wir gehen heraus, eine Gruppe von jungen muslimischen Männern läuft an uns vorbei. Sie schauen sie an und sagen: "ma scha Allah!", anstatt wegen ihres falschen Blickes Astaghfirullah zu sagen und den Blick zu senken. Zu den hässlichsten Dingen gehört es, wenn jemand seine Schamlosigkeit religiös verschleiert.

 

 

20.Juli 2017

Die israelische Regierung verstößt mit ihrer Schließung der drittheiligsten Stätte des Islam, der Al-Aqsa-Moschee gegen internationales Recht. Jede Religionsgemeinschaft hat das Recht, seine eigenen religiösen Gebäude autonom zu verwalten.

Jerusalem ist die "Mutterstadt" der drei monotheistischen Religionen. Auch wenn uns die Geschichte lehrt, dass um diese auch hart gekämpft werden kann, so lehrt sie uns vielmehr, dass sich Religionen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen können. Kaum ein in Palästina lebender Palästinenser fühlt sich wie ein Mensch behandelt, geschweige denn wie ein Bürger, welchem Rechte zustehen. Die Al-Aqsa-Moschee ist vielleicht das letzte, was ihnen geblieben ist. Eine aggressive Politik, die Gerechtigkeit, Menschlichkeit und internationale Konventionen ignoriert und verhöhnt. Das alles geschieht vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ich kenne Juden und Christen und kann mir nicht im Traum vorstellen, dass dies in ihrem Sinne ist. Es geht hier schon lange nicht mehr um eine politische Positionierung oder Haltung. Es geht um Menschenrechte und Grundrechte, die von jedem geachtet werden sollen.

Ich hoffe und bete, dass Allah den Aqsa beschützt und diese Ungerechtigkeit beendet.

 

 

3.Juli 2017

Eine interessante Sache ist, dass Imam Mālik's Schüler, Imam Aš-Šāfi'ī, später seine eigene Rechtsschule gründete. Imam aš-Šāfi'ī's Schüler wiederum, Imam Ahmad ibn Hanbal, gründete wiederum eine eigene Rechtsschule. Und Imam Ahmad's Schüler, Dāwūd az-Zāhirī, gründete wiederum seine eigene Rechtsschule, die "fünfte" des sunnitischen Islam. Imam Abū Hanīfas wichtigste Schüler, die "Imamayn" Abū Yūsuf und Aš-Šaybānī, waren in vielleicht Zweidrittel bis Dreiviertel der hanafitischen Rechtsschule anderer Meinung als ihr Lehrer. 

Was das zeigt, ist ein heute kaum vorhandenes Gleichgewicht zwischen Schülerschaft und Anbindung an den Lehrer auf der einen, und der Befreiung durch Iğtihād (für den, der dazu befähigt ist) auf der anderen Seite. Heute gibt es von beiden Extremen viele, nämlich entweder Leute, die glauben das Wissen mit dem Löffel gegessen zu haben und andere, die niemals auf die Meinung eines Anderen schauen als auf die ihres eigenen Lehrers. Den Weg der Mitte zu gehen; das hat der Islam zu einer Lebensphilosophie gemacht, die sich in allem zeigt. Und unsere Imame, unsere Vorbilder, haben es für uns vorgelebt. 

Mögen wir in ihre Fußstapfen treten und mit Ihnen im Jenseits vereint werden.

 

 

17.Mai 2017

"Reflektiere also über diese Charaktereigenschaft, mit der der Mensch ausgezeichnet wurde, im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen. Es ist die Charaktereigenschaft der Schamhaftigkeit, welche zu den vorzüglichsten, ehrenwertesten, gewaltigsten und nützlichsten aller Eigenschaften gehört. Nein, vielmehr ist es das Charakteristikum der Menschlichkeit überhaupt; denn wer keine Schamhaftigkeit besitzt, hat von der Menschlichkeit nichts außer Fleisch, Blut und ihre Oberfläche, sowie er auch vom Guten keinen Anteil hat.

Ohne diese Charaktereigenschaft wäre der Gast nicht bewirtet, würde das Versprechen nicht eingehalten, wäre das anvertraute Gut nicht zurückgegeben, wäre keinem bei einer Angelegenheit geholfen worden, würde der Mensch das Schöne nicht aufsuchen und es vorziehen, sowie das Schlechte und es vermeiden. Auch würde er seine Blöße nicht verbergen, sowie der Unzucht sich nicht enthalten."

Ibn Qayyim Al-Jawziyya in "Miftāh Dār As-Sa’āda".

Wichtige Worte zu einer Eigenschaft, die nicht nur immer mehr vergessen zu sein scheint; vielmehr ist das Dramatische, dass wer an dieser festhält, als merkwürdig betrachtet wird. Doch es ist genau das, was uns Menschen von den Tieren u.a. abhebt und auszeichnet. Es ist dramatisch (!), wenn das Leben der Tiere unser neues Leitbild wird.

 

 

29.März 2017

"Endlich wieder zwei Klausuren hinter mich gebracht, Alhamdulillah" denke ich mir, während ich auf die Supermarktkasse zulaufe. Ich komme am Ende der wartenden Schlange an und bleibe stehen. Der vor mir stehende Mann dreht sich mir um. Älterer Herr, wohl Mitte sechzig. Buschige Augenbrauen. Durch seine randlose Brille guckt er mich ernst an. Sein Blick ist tief, musternd, sein Körper mir zugewandt. "Ziemlich viel Aufmerksamkeit die er mir da schenkt." denke ich mir. Ich kann diese Art von Umgang nicht leiden. "Was soll's. Wahrscheinlich hat er einfach was gegen mich. Vielleicht allgemein gegen Schwarzköpfe, "Ausländer" oder allgemein Muslime. Wahrscheinlich typischer AfD-Wähler : alt und männlich". 

Die Schlange geht weiter. Ich stelle meine Sachen auf das Band ab. Weil es auch diese Trennleisten ausnahmsweise mal gibt, lege ich eins vor, eins hinter meine Dinge, die ich kaufe. Die Dame hinter mir bedankt sich - altbekanntes Muster. "Gerne doch" flüstere ich.

Wieder dreht sich der Mann zu mir um. Er schaut wieder ernst, tief, schon fast durchdringend. Ohne ein Wort zu sagen. Ich frage mich was er überhaupt für ein Problem hat. Plötzlich blickt er auf das Band, auf meine Waren. "Das ist doch für Kinder!" Ich bin irritiert. Er zeigt mit seinem Finger auf das, was er meint. Zott Monte, ich habe sie gekauft. Erleichtert lache ich. Auch er lacht. "Ja, es gibt eben Dinge, aus denen man irgendwie nicht rauswächst". Er nickt lächelnd "Ich ess die auch." Wir lachen beide. Dann zeigt er nochmal kurz auf alles was jeweils er und ich gekauft haben, sagt was gesund und ungesund ist, hat beim ungesunden den strengen Vater-Blick durch die Brille, und am Ende lächelnd wir beide und verabschieden uns voneinander.

 

 

18.Februar 2017

Man fragt die Leute: "Wie gehts dir?" Und meistens hört man nur: "Alhamdulillah", vor allem wenn es nur ein kurzes Gespräch oder gar eine fremde Person ist. Die Person wird sicher nicht im Vorbeigehen erzählen, dass sie ihre Miete nicht bezahlen oder Streit in der Familie hat. Einige Leute sagten mir deshalb schon mehrere Male : "eigentlich nützt das doch gar nicht so zu fragen: wie geht's?, wenn die Antwort sowieso Alhamdulillah ist." Ich habe lange darüber nachgedacht, und ich glaube, dass es trotzdem schön und gut ist. Allein dass man dadurch einfach das Wort "Alhamdulillah" hört. Diesen Dank an Allah vergessen wir nämlich oft. Der Sinn der Wiederholung mit der Zunge ist die Erinnerung des Herzens 

Deshalb : auch wenn es nur im Vorbeigehen ist, auch wenn wir die andere Person sowieso nicht so gut kennen, dass sie uns gleich ihr Herz ausschütten würde, und auch wenn wir sowieso schon die fast sichere Antwort auf unsere Frage kennen - ist es trotzdem gut, einfach "wie gehts" zu fragen, damit wir uns an das Wort erinnern, das uns immer dankbar, immer glücklich, immer zufrieden sein lässt - jenes Wort, das der Anfang des Gebets und der Schlusssatz des jüngsten Tages nach Allahs Urteil über die Menschheit bildet - Alhamdulillah 

 

 

5.Februar 2017

Den Quran ehrt man nicht, in dem man ihn ins alleroberste Regal stellt (wo er, der edle, meistens verstaubt), sondern in dem man ihn immer bei sich hat, in ihm liest, und am allerwichtigsten: über ihn nachdenkt !

 

 

23.Januar 2017

Beobachte den Zustand deines Herzens und deiner Brust, sowohl währen du eine gute Tat, wie auch wenn du eine Sünde machst. Wenn du die beiden Zustände genau beobachtest und vergleichst, wirst du merken, dass im Moment der Sünde du ein Feuer verspürst. Ein Brennen. Eine Enge. Vielleicht fällt es dir gar schwerer zu atmen..

Im Moment der Wohltat aber spürst du eine Weite, eine angenehme "Kühle", und vielleicht sogar eine "Süße“. Probiere es aus, beobachte dich selbst genau, und du wirst es sehen.

Allein dafür schon lohnt sich das Unterlassen von Sünden